Über böse Menschen, böse Hunde und den Schutzhundesport

Liebe Hundefreunde

Gestern begab sich folgende Situation, eine Kundin besuchte mich Zuhause, wir arbeiten im Moment mit ihrem Hund an „leicht gesteigerter Artgenossenunverträglichkeit“ also bat ich sie zu mir um dort, mit meiner Hündin zusammen, effektiv an diesem Problem zu arbeiten.
Wir gingen zusammen durch meine „Hundeecke“ in der ich meine Arbeitsgeräte lagere. Ich merkte das sie leicht stockte, drehte mich um und folgte ihrem Blick: Mein Beissarm.

Viele meiner Kunden wissen das ich aktiv im Tierschutz tätig bin, aggressive Hunde resozialisiere aber die wenigsten wissen um meine „dunkle Seite“ und wie meine Hunde beschäftigt werden.
Ich bin aktive VPG/IPO Hundeführerin also „Schutzhundesportlerin“
Meine Kundin reagierte leicht geschockt, natürlich kamen bei ihr sofort die Bilder hoch von reissenden Zwingerbestien die scharf gemacht werden und auf Hundeplätzen im Arm eines Mannes hängen.

Das passte natürlich so garnicht in ihr Bild von mir, einer Hundefreundin die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, deren Hunde auf dem Sofa lümmeln dürfen und die auch mal 5 gerade sein lässt.
Ganz nebenbei kennt sie natürlich meine Hunde und keiner von ihnen hat je versucht meine Kundin zu fressen 🙂

Ich werde hier die Unterordnung und die Fährte einfach mal rauslassen, ich hoffe meine Sportskollegen verzeihen mir dies denn uns geht es nicht rein um den Schutzdienst, wir betreiben quasi Dreikampf.
Unterordnung um den Gehorsam des Hundes abzufragen, Fährte um ihn Spuren suchen zu lassen und eben den Schutzdienst und auf den werde ich jetzt eingehen. Ich hoffe auch man verzeiht mir das ich hier keinen fachlich bis ins Detail gehenden Text verfasse, auf die Prüfungsordnung eingehe und alle Triebbereiche nenne, dieser Text ist rein an den Hundehalter gerichtet der eben nicht aktiv in unserem Sport ist.

Zuerst, um auf das erste Vorurteil einzugehen, Schutzdienst ist keinesfalls ein „scharfmachen“ von Hunden, grob gesagt handelt es sich um ein Beutespiel unter erschwerten Bedingungen.
Die jungen Hunde werden keinesfalls sofort „in den Arm“ gelassen. Im Aufbau lernt ein junger Hund mit dem Helfer um ein Beisskissen zu rangeln. Die beiden spielen ein Zerrspiel bei dem der Hund gewinnen darf .
Dasselbe Prinzip steckt hinter dem Spiel von Hundehalter, die mit ihren Hunden  Zuhause um ein Beisstau, ein Handtuch oder ähnliches balgen, ohne dass sie je einen Zusammenhang zu Schutzhunden hergestellt haben.
Schutzhund ist auch eigentlich kein Begriff mehr der verwendet wird, wir haben Sporthunde, unsere Hunde schützen nämlich niemanden mehr aber der Begriff hält sich ebenso hartnäckig wie das „Tempo“ das ja nun eigentlich ein Einwegtaschentuch ist.

Aber genug der Abschweifungen, kommen wir zum schutzdienstlichen Ablauf.

Der Hund sucht in den „Verstecken“ nach dem Helfer, der befindet sich natürlich immer im letzten ;), das wissen die Hunde aber beim „revieren“ wird abgefragt ob der Hund, obwohl er natürlich zu seiner Belohnung/Spielzeug, dem Beissarm will( die Steigerung des Beisskissens) , im Gehorsam steht und den Anweisungen des Hundeführers trotzdem folgt.
Probieren Sie es ruhig mal selber aus, nehmen sie das Lieblingsspielzeug Ihres Hundes, werfen es aber bevor er es haben darf, geben Sie ihm eine andere Aufgabe die er konzentriert Ausführen soll.
Garnicht so leicht? Stimmt, dahinter steckt eine Menge Schweiss, Arbeit und Zeit.

Dann „findet“ der Hund im letzten Versteck den Helfer und seinen Beissarm, trotzdem darf der Hund noch immer nicht sein „Spielzeug“ haben, er muss weiterhin warten und eine Aufgabe erfüllen, das „verbellen“.
Der Hund steht nun vor dem Helfer und bellt ihn an um dem Hundeführer zu signalisieren“ Hier ist mein Spielzeug“
Übung für Zuhause: Nachdem Ihr Hund seine Aufgabe konzentriert erfüllt hat schicken sie Ihn zu seinem Spielzeug und lassen ihn dort, mit dem Spielzeug vor der Nase, nocheinmal eine Aufgabe erfüllen über einen längeren Zeitraum.

Ich hoffe es zeichnet sich hier schon langsam ab das „Schutzdienst“ schon etwas mehr ist als „Hund beisst in den Arm“

Dann darf der Hund natürlich „sein Spielzeug“ haben, der Helfer wird einen „Angriff“ simulieren, der allerdings garkein solcher ist sondern rein das Signal für den Hund „Schnapps Dir“, in etwa dasselbe als wenn man das Spielzeug auf Kommando freigibt, ein eingeübter Bewegungs und Aktionsablauf.

Hund und Helfer rangeln um die Beute, der Hund gewinnt in Trainingssituationen am Ende immer. ER darf sein Spielzeug vom Platz tragen und sich etwas damit vergnügen.
Wer schonmal ein Seilziehen gewonnen hat, wobei in der Mitte des Seiles eine Tafel Schokolade für den Sieger winkt, wird wissen was der Hund in diesem Moment fühlt.

Ich möchte hier garnicht verheimlichen das es sicher auch Hundeführer geben wird die ihrem Hund diesen Sport im Hauruckverfahren und mit Starkzwang ( Teletack, Prügel, Leinereissen und dergleichen) ausbilden. Das ist aber nicht mehr Zeitgemäß und auch nicht die Art wie wir arbeiten.
Es mag noch Leute geben die an alten Gewohnheiten und ihrer Meinung festhalten und ihre Hunde nur im Zwinger halten, jedoch sind diese mittlerweile die Ausnahme.
Der Durchschnitt sind eher ganz normale Hundehalter die einen Sport suchten der ihnen und ihrem Hund Spass macht, fordert und fördert.
Meine Hunde sind Sporthunde, die ausserhalb der Übungszeiten ganz normal in der Familie leben, ihren täglichen Gassigang bekommen, sich mit meiner kleinen Tochter am Ballspiel erfreuen und Abends versuchen den besten Platz auf dem Sofa vor dem Fernseher zu ergattern.

Wir trainieren nicht anders als Leute die im Agility oder im Teamhundesport ihre Berufung gefunden haben, unsere Hunde sind nicht gefährlicher als ein Hund der mit Dogdance oder Frisbee ausgelastet wird.
Wir sind im grossen und ganzen Hundefreunde die ihrem Hund die Möglichkeit geben möchten einer artgerechten Auslastung nachzukommen, nicht mehr und nicht weniger steckt hinter uns „Schutzhundesportlern“

Gruss aus Düren vom K9Unit-Team

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